Trinkwasser Teil 2: Stille Wasser sind…

Erreger im Trinkwasser

Wenn ich an das Thema Wasser denke, denke ich immer an eine vergangene Alpenwanderung mit einem Freund. Auf 2000 Meter Höhe biwakierten wir an einer Bergwiese. Die Morgensonne stand über den Bergkämmen. Wenige Meter entfernt vom Lager entsprang eine Quelle am Waldrand. Klar und frisch plätscherte das Wasser in ein Holzbecken. Da meine Flaschen noch gefüllt waren, interessierte mich nur ihr Geräusch. Ich packte mein Nachtlager zusammen. Es ging weiter.

Nachdem wir einige Kilometer gewandert waren – es war schon Nachmittag – wurde es meinem Begleiter übel und er fühlte sich zunehmend schwach. Es dauerte nicht lange, bis er sich erbrach. Verfrüht schlugen wir unser Lager auf. Fernab der nächsten Siedlung erschien es uns das Klügste, erst einmal abzuwarten. Natürlich fragten wir uns woher seine Übelkeit kommt. Wir hatten dasselbe gegessen und getrunken.

Wir rekapitulierten die Wanderung des Tages. Hast du Wildpflanzen gegessen? Hast du vielleicht doch etwas aus einem Fluss getrunken, oder dich erfrischt? Nichts war zu finden. Wir gingen gedanklich jeden Schritt zurück, bis zum Morgen und da war es geschehen. Er hatte sich mit dem Quellwasser die Zähne geputzt. Das war der einzige Moment, an dem er etwas anderes zu sich nahm. Und auch wenn er das Wasser wieder ausspuckte, es reichte für eine Magen Darm Verstimmung.

Was er nicht wusste: Der kleine Fichtenwald, an dem die Quelle entsprang, öffnete sich 20 Meter oberhalb und ging in eine weitere Wiese über. Sie war übersäht mit Spuren von Kühen. Die Hangneigung verlief wie ein Trichter in Richtung Quelle. Auch ein kleines ausgetrocknetes Bachbett verlief in diese Richtung. Am oberen Waldrand endete es jedoch in einer Sickergrube. Am unteren Waldrand von der Quelle aus war nichts davon zu sehen.

Diese Geschichte erinnert mich immer wieder daran, wie wichtig es ist, nicht nur das Wasser in den Fokus zu nehmen. Es ist ebenso wichtig seinen Blick zu weiten: Es kommt auf die Umgebung an.

Im Naturmentoring schulen wir hierzu vor allem die Awareness: Die achtsame Wahrnehmung der Umgebung. Wenn alle Sinne optimal ausgeprägt sind, erhalten wir ein ganzheitliches Abbild unserer Umwelt. So entdecken wir frühzeitig Unregelmäßigkeiten, die uns warnen.

Doch worauf sollten wir nun explizit achten?

Unsichtbare Gefahren

Wasser ist Nährboden, Lösung und Trägerflüssigkeit für allerhand Stoffe und Organismen. Gerade in Survivalsituationen kann das fatale Folgen haben. Doch es lohnt sich für jeden, der Wasser aus der Natur verwenden möchte, sich mit Gefahren dabei auseinanderzusetzten. Die größte geht von der fäkalen Verunreinigung des Trinkwassers durch Menschen oder Tiere aus. In unbesiedelten Gebieten ist damit zu rechnen, wenn Oberflächenwasser, also Wasser aus Flüssen und Seen, zur Trinkwassergewinnung herangezogen wird. Die wichtigsten Übeltäter und ihre Vorlieben wollen wir dir hier vorstellen.

Bakterien

Bakterien sind einzellige Lebewesen und sehr genügsame Zeitgenossen. Sie haben ihr eigenes Erbgut und einen eigenen Stoffwechsel. In ihrer Zelle produzieren sie alles, was sie zum Leben brauchen. Sie sind äußerst widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen wie Kälte oder Trockenheit. Einige kommen sogar ohne Sauerstoff aus. Manche fühlen sich bei Hitze wohl, wieder andere benötigen Kälte.

Legionellen

Risiko in Europa:
gering
Vermeidung:
Wassertemperatur über 25 °C
Wasserentnahme in Ufernähe

Legionellen vermehren sich im Biofilm, der sich z.B. auf Kieselsteinen im Wasser bilden. Ideale Bedingungen finden sie bei einer Wassertemperatur zwischen 25-55 Grad Celsius. In unseren Breiten stellen sie also nur selten eine Gefahr dar. Legionellen sind neben anderen Erkrankungen für die Legionärskrankheit verantwortlich.

Pseudomonaden

Risiko in Europa:
gering
Vermeidung:
Wasserentnahme aus stehenden Gewässern in Ufernähe

Pseudomonaden, wie Pseudomonas aeruginosa, sind Kaltwasserkeime. Sie lieben feuchte Milieus. Jedoch bevorzugen sie stehende Gewässer. Dort siedeln sie sich im Biofilm an, weswegen sie eher im Uferbereich, aber auch in unseren Wasserleitungen zu finden sind. Sie lösen Erkrankungen, wie z. B. Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte, akut-entzündliche Darmerkrankungen, Hirnhautentzündung und Entzündungen des Gehörgangs aus. Inzwischen sind sie gegen viele gängige Antibiotika resistent sind.

Escherichia Coli

Risiko in Europa:
moderat
Vermeidung:
Fäkalien und Kadaver in Gewässernähe

Escherichia Coli können im Wasser nur einige Tage überleben. Grund für ihre Anwesenheit ist eine zumindest kurz zurückliegende Verschmutzung mit Fäkalien. Sie führen zu Durchfallerkrankungen. Dieser Gefahr kannst du entgehen, indem du die Umgebung um deine Wasserstelle auf tierische Rückstände absuchst.

Salmonellen

Risiko in Europa:
moderat
Vermeidung:
Fäkalien und Kadaver in Gewässernähe

Salmonellen sind für die typischen Lebensmittelinfektionen verantwortlich. Wie die E. Coli Bakterien gehören sie zu den pathogenen Keimen, die zwar eine gewisse Zeit im Wasser überleben, sich dort aber nicht vermehren. Auch sie finden ihren Weg über Fäkalien oder Kadaver ins Trinkwasser.

Cholera

Risiko in Europa:
gering
Vermeidung:
Fäkalien in Gewässernähe
eigeleitete Abwässer

Cholera ist in Mitteleuropa eher selten anzutreffen. Es tritt vorwiegend in Ländern auf, deren Trink- und Abwassersysteme nicht voneinander getrennt sind. Die Bakterien verbreiten sich vor allem über Fäkalien, sowie in Fluss- und Meerwasser, in welches Fäkalien eingeleitet werden.

Viren

Viren sind genau genommen keine Lebewesen. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und daher auch keine Möglichkeit Energie zu gewinnen. Die meisten bestehen aus einem oder mehreren Molekülen, die von einer Eiweißschicht umgeben sind und das Erbgut enthalten.

Rotaviren

Risiko in Europa:
über Wasser gering
Vermeidung:
Fäkalien und Kadaver in Gewässernähe

Rotaviren führen bei Kleinkindern häufig zu Magen-Darm-Erkrankung. Sie gelangen durch Fäkalien ins Wasser und können dort mehrere Wochen überleben. Im Laufe unseres ersten Lebensjahres entwickeln wir einen Schutz gegen diesen Erreger, der jedoch nicht lebenslang anhält. Daher können wir uns mehrfach anstecken.

Noroviren

Risiko in Europa:
über Wasser gering
Vermeidung:
Fäkalien und Kadaver in Gewässernähe

Noroviren führen ebenfalls zu Magen-Darm-Erkrankung. Meist klingen die Symptome nach 1-2 Tagen wieder ab. Mit dem Stuhl und dem Erbrochenen Erkrankter, werden massenhaft hochansteckende Vieren abgegeben. Gelangen sie ins Wasser stellen sie auch dort eine Gefahr dar.

Hepatitis A Viren

Risiko in Europa:
gering
Vermeidung:
Fäkalien und Kadaver in Gewässernähe

Hepatitis A ist in europäischen Gewässern als geringe Gefahr einzustufen. Es wird über Fäkalien im Wasser übertragen. Man nennt diese Erkrankung auch Reisehepatitis, da sich die Menschen häufiger im Urlaub damit anstecken. Sie ist nicht lebensbedrohlich. In der Regel führt sie zu Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Typisch ist auch ein Druckgefühl unter dem rechten Rippenbogen sowie.

Protozonen

Wie die Bakterien, sind Protozonen tierische Einzeller. Der prägendste Unterschied zu den Bakterien liegt darin, dass sie einen echten Zellkern besitzen. Sie sind also eine weiterentwickelte Lebensform. Das drückt sich auch im Größenunterschied aus.

Giardia

Risiko in Europa:
gering
Vermeidung:
Fäkalien und Kadaver in Gewässernähe

Giardia ist ein Einzeller, der durch fäkal verunreinigtes Trinkwasser übertragen werden kann. In Nordamerika ist er die häufigste Ursache für nichtbakterielle Durchfallerkrankungen. Typische Symptome sind meist Bauch- und Magenkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und geringgradige Durchfälle mit starken Blähungen. Die Durchfälle sind wässrig bis schaumig und die Beschwerden dauern über Wochen.

Amöben

Risiko in Europa:
gering
Vermeidung:
Fäkalien und Kadaver in Gewässernähe

Amöben sind zwar weltweit verbreitet, doch lösen nicht alle Krankheiten aus. Die bekannteste ausgelöste Erkrankung ist die Amöbenruhr. Sie tritt vorwiegend in Gebieten mit unzureichenden sanitären Einrichtungen auf. Die meisten Infektionen werden in bestimmten Gegenden Afrikas, auf dem indischen Subkontinent und in Teilen Mittel- und Südamerikas verzeichnet. In Europa ist die Gefahr der Ansteckung über das Trinkwasser eher gering.

Sonstige Trinkwasserverunreinigungen

Neben diesen Mikroorganismen können auch andere Stoffe das Wasser verunreinigen. Prominente Vertreter sind Schwermetalle, Pestizide und Herbizide. Sie können nur schwer aus dem Wasser gefiltert werden und lassen sich auch durch Abkochen nicht unschädlich machen. Bei dauerhafter Aufnahme können sie unseren Organismus nachhaltig schädigen. Zur Vermeidung solltest du dich immer nach Industrie und Landwirtschaft in der Nähe umschauen. Entnehme grundsätzlich kein Wasser unterhalb von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Siedlungen.

Selbst sonst freundliche Vertreter wie Eisen können dem Körper gefährlich werden. Ab einem Gehalt von mehr als 200mg/l wirkt es sich schädlich auf die Gesundheit aus. Das Eisen reichert sich bei längerer Aufnahme in der Leber an und löst vielfältige Erkrankungen, sogenannte Siderosen, aus. Belastete Quellen erkennst du oft an den rostfarbenen Eisenausfällungen.

Ein weiterer Vertreter ist Radon, ein Uranzerfallsprodukt, das in vielen Teilen Deutschlands natürlich im Boden vorkommt. Es ist bei dauerhaftem Kontakt krebserregend. Wo die Böden in Deutschland besonders Radonbelastet sind erfährst du auf der Seite des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Was können wir aus diesem Wissen ableiten?

Was du tun, wenn du keine Wahl hast? Das zeigen wir dir in unserem nächsten Beitrag zum Thema Wasser aufbereiten.

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