Trinkwasser Teil 3: Na, wenn es sein muss!

Trinkwasserdesinfektion

Wasser ist essenziell für unseren Organismus. Drei Tage können wir bei guter Gesundheit ohne das Lebenselixier auskommen. Deshalb gehört es auch zu den 4 physischen Grundbedürfnissen, die wir im Survival als erstes stillen sollten.

In vielen Gegenden ist es nicht leicht an sauberes Wasser zu kommen. Selbst in Mitteleuropa wo es scheinbar ausreichend davon gibt, ist es nicht überall unbedenklich davon zu trinken. Ob das Wasser genießbar ist, hängt von vielen Faktoren ab, auch davon, was dein Magen gewöhnt ist. Der vorrangegangenen Artikel bietet eine Übersicht der wichtigsten Erreger und Schadstoffe, sowie ihrer Vorlieben. Damit kannst du schon bei der Suche nach Trinkwasserquellen das Risiko eingrenzen. Sobald du jedoch unsicher bist, solltest du das Wasser desinfizieren.

Wie du dein Trinkwasser desinfizieren kannst, möchten wir dir in diesem Artikel vorstellen.

Filtration

Ist das Wasser trüb, solltest du die Aufbereitung mit der Filtration beginnen. Schweb- und Trübstoffe sind gesundheitlich meist unbedenklich. Sie dienen jedoch Kleinstlebewesen als Nährsubstanz und fördern deren Wachstum. Zusätzlich verhindern sie eine effektive Trinkwasserdesinfektion. Teile der Desinfektionsmittel lagern sich an den Partikeln an und werden aufgezehrt. Das schwächt ihre Wirkung ab.

Outdoor-Filter

Für Schweb- und Trübstoffestoffe geeignet

Schweb- und Trübstoffen kannst du mit allen herkömmlichen Outdoor-Filter entfernen. Allerdings beschränkt sich ihr Filtrationsvermögen auf Stoffe ab einer Größe von 40 Mikron. Protozoen, Bakterien und Viren lassen sich damit nicht zuverlässig filtern.

Keramitkfilter

Für Schweb- und Trübstoffestoffe, sowie Protozonen und Bakterien geeignet

Mehr Erfolg versprechen Keramikfilter. Sie filtern Protozonen und Bakterien sicher heraus. Ihr Filtervermögen liegt bei 0,2 Mikron. Ein weiterer Vorteil ist ihre hohe Lebensdauer bei regelmäßiger Reinigung.

Es gibt noch weitere effektive Micromembranfilter, wie Glasfaser-, oder Aktivkohlefilter. Mit Aktivkohle kannst du sogar Pestizide und Schwermetalle binden. Beide Varianten haben jedoch eine kurze Lebensdauer. Daher muss immer für Ersatzfilter gesorgt werden.

Chemische Reinigung

Klares Wasser, kann mit Desinfektionsmitteln behandelt werden. Chlor und Iod sind die dafür bevorzugten Halogene. Sie zerstören durch ihre oxidierende Wirkung die Zellstrukturen von Mikroorganismen. Soll das Wasser über längere Zeit keimfrei gehalten werden, empfehlen sich Silberpräparate. Sie wirken langsamer als die Halogene und sind daher für unsere Zwecke als alleiniges Desinfektionsmittel eher ungeeignet.

Chlorpräparate

töten Mikroorganismen zuverlässig ab
Schwermetalle, Pestizide, Herbizide verbleiben
Herstellerangaben beachten

Chlor ist das meistverwendete Desinfektionsmittel. Es ist in Form von Fertigpräparaten (Pulver, Lösung, oder Tabletten) in Kombination mit Silber erhältlich. Die Langzeitwirkung des Silbers schützt das aufbereitete Wasser bis zu sechs Monate vor einer Wiederverkeimung. 30 Minuten sollen die Präparate auf das Wasser einwirken. Du solltest wissen, das Chlor in basischen Milieus, wie stark kalkhaltigem Wasser, seine Wirksamkeit verliert. Ein weiterer Nachteil ist der unangenehme Geschmack.

Iodpräparate

töten Mikroorganismen zuverlässig ab
Schwermetalle, Pestizide, Herbizide verbleiben
Herstellerangaben & Nebenwirkungen beachten

Iod ist in Europe nicht als Fertigprodukt zugelassen. In der Apotheke ist jedoch 2 prozentige Iod-Tinktur erhältlich. Fünf tropfen auf einen Liter klaren Wassers genügen. Die Wirkung ist temperaturabhängig. Bei einer Temperatur von 25 °C reicht eine Einwirkzeit von 30 Minuten in der Regel aus. Die Einwirkzeit verdoppelt sich mit jeder Abnahme um 10 °C.

Ein großer Nachteil von Jod ist seine Langzeitwirkung auf den Organismus. Wenn du jodiertes Wasser über längere Zeit zu dir nimmst, kannst du eine Schilddrüsenüberfunktion bekommen. Besonders gefährlich ist dies bei Ungeborenen. Daher ist mit Iod desinfiziertes Wasser in der Schwangerschaft ein No-Go. Iod erzeugt, wie Chlor, einen unangenehmen Geschmack.

UV-Strahlung

Die Entkeimung von Wasser mit UV-Strahlung beruht auf einer photochemischen Reaktion. Die Strahlung führt zu einer Veränderung des Erbguts der Mikroorganismen. Das verhindert die Zellteilung und macht eine Vermehrung der Erreger unmöglich. Im Outdoorbereich kannst du mit einem UV-Desinfektionsstab, oder dem SODIS-Verfahren arbeiten. UV-Behandlung funktioniert jedoch nur bei klarem Wasser. Ebenso schwankt die Wirkung mit dem Härtegrad des Wassers erheblich.

UV-Desinfektionsstäbe

töten 99% der Mikroorganismen zuverlässig ab
Schwermetalle, Pestizide, Herbizide verbleiben
Herstellerangaben beachten

UV-Desinfektionsstäbe arbeiten mit der effizienteren UVC-Strahlung. Sie töten sicher bis zu 99% aller Viren und Bakterien ab. Für den Outdoorgebrauch sind sie im Akkubetrieb erhältlich. Ob du in einer Survivalsituation immer eine Steckdose zum Nachladen findest bleibt fraglich.

SODIS-Verfahren

töten Mikroorganismen ab
Schwermetalle, Pestizide, Herbizide verbleiben

Wikrfaktoren

Intensität der Sonnenstrahlung
Wasser Erwärmung  auf über 50 °C
Wasser ohne Schwebstoffe
ausschließlich PET Gebinde
nur wenig zerkratzt

Expositionsdauer

Sonnig – 50 % bedeckt = 6 Std
50–100 % bedeckt = 2 Tage Andauernder Regen = eingeschränkte Wirksamkeit, der Konsum von Regenwasser ist empfehlenswert.

Das SODIS-Verfahren ist dagegen Netzunabhängig. Hierbei werden die UVA-Strahlen der Sonne verwendet. Es wurde für Länder des globalen Südens entwickelt wo es auch ausgiebig getestet wurde. An der Wirksamkeit sind viele Faktoren beteiligt.

Für unsere Breiten kommt das SODIS-Verfahren nicht in Frage. Die Sonneneinstrahlung ist hier aufgrund ihres niedrigeren Einfallwinkels zu gering. Für unseren Survivalbedarf ist auch der notwendige Zeitaufwand viel zu groß. Über viele Stunden muss das Wasser in einer ungefärbten und unzerkratzten PET-Flasche dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Ein Feuer ohne Hilfsmittel ist für Geübte in einer halben Stunde entzündet.

Abkochen

Das wohl älteste Verfahren zur Trinkwasserdesinfektion ist das Abkochen. Da der Siedepunkt des Wassers mit abnehmendem Luftdruck sinkt, solltest du dein Wasser mit zunehmender Höhe länger Kochen. Auf Meereshöhe gelten fünf Minuten abkochen als sicher. Pro hundert Höhenmeter verlängert sich die Kochzeit um je eine Minute. Mit dieser einfachen Methode tötest du Viren, Bakterien und Protozonen sicher ab. Schwermetalle, Schwebstoffe und Pestizide verbleiben auch beim Abkochen im Wasser.

Abkochen

töten Mikroorganismen zuverlässig ab
Schwermetalle, Pestizide, Herbizide verbleiben

Um das Wasser maximal haltbar zu machen, solltest du es im Kochgefäß abkühlen lassen. Wenn es dabei abgedeckt ist, bleibt das Risiko einer erneuten Verkeimung minimal. Dem faden Geschmack des abgekochten Wassers kannst du mit Kräutern entgegenwirken. Auch eine Prise Salz verbessert den Geschmack. Hast du nichts davon zur Hand, hilft mehrfaches dekantieren. Damit fügst du dem Wasser Sauerstoff zu.

Übersicht der anwendbaren Aufbereitungsmethoden

Unser Fazit

Bei all den gezeigten Möglichkeiten, haben wir uns gefragt, welche Methode im Survival die praktikabelste ist. Maximale Sicherheit bieten Keramikfilter in Verbindung mit Reinigungstabletten, sowie das Abkochen. UV-Strahlung erscheint uns unpraktikabel. Sie ist störanfällig und auf Dauer stromnetzabhängig. Chlortabletten sind eine Geschmacksfrage und eine endliche Ressource.

Letztendlich hängt die Entscheidung, wie du dein Wasser desinfizieren willst, ganz von deinen individuellen Bedürfnissen ab.

Für uns ist es wichtig, Fertigkeiten zu entwickeln die überall und unter allen Umständen anwendbar sind. Wir wollen uns auf unsere Ausrüstung verlassen, aber nicht von ihr abhängig sein. Das macht flexibel und gibt Sicherheit. Dafür bevorzugen wir Methoden, die ohne Hilfsmittel auskommen.

Awareness hilft uns frühzeitig Anzeichen für Verunreinigungen zu erkennen. Und wir setzen auf natürliche Filterstoffe und Feuer. In unseren Survivalkursen trainieren wir deshalb ausgiebig die Feuermachfertigkeiten. Außerdem schulen wir deine Aufmerksamkeit für die Umgebung und zeigen dir, wie du Kochgefäße und Wasserfilter aus Naturmaterialien herstellen kannst.

Stay Wild

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