Survivalpflanzen: Der Alleskönner Spitzwegerich

Spitzwegerich

Plantago lanceolata

Die Wegeriche sind echte Survival-Alleskönner. Schon in früher Vorzeit war den Menschen ihre Kraft bekannt. Am liebsten wuchsen sie an ihren Wegen weshalb sie ihm seinen Namen gaben. Der Namensteil „-rich“ leitet sich vom germanischen -rik ab, was Herrscher oder König bedeutet. Der Herrscher der Wege.

Photo by Jill Dimond on Unsplash

Für die Germanen war der Wegerich die Verkörperung der Seelen, die wieder ans Licht treten. So wurden ihm bereits zu Zeiten, da Mitteleuropa von Naturvölkern besiedelt war, magische Kräfte zugeschrieben. Dass das nicht von ungefähr kommt, weiß heute auch die moderne Medizin. In zahlreichen Medikamenten sind seine Wirkstoffe enthalten.

Und du Wegerich, Mutter der
Pflanzen,
offen nach Osten, mächtig im Innern:
über dich knarrten Wagen, über dich
ritten Frauen,
über dich schrien Bräute, über dich
schnaubten Farren.*
Allen wiederstandest du und setztest
dich entgegen,
so wiederstehe auch du dem Gift und
der Ansteckung
und dem Übel, das über das Land dahinfährt.

Aus einem alten englischen Zauberspruch zum Segen der neun heiligen Kräuter.
In Fischer-Rizzi, Medizin der Erde
 * Stiere

Im Survival interessieren wir uns auch für seine nahrhaften Bestandteile. Die gesamte Pflanze ist essbar und steht zudem das ganze Jahr über zur Verfügung. Die schmackhaften Blätter lassen sich zu Spinat oder Salat verarbeiten und enthalten neben wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen noch weitere gesunde Inhaltstoffe. Von Mitte Mai bis September findest du die kohlehydratreichen Blütenknospen. Die Samen sind fett- sowie eiweißreich und daher ein guter Energielieferant. Sie lassen sich von August bis September ernten. Die Wurzeln sind vor allem im Winter, von Oktober bis April, eine wertvolle Kohlehydratquelle.

Inhaltstoffe

Iridoide (Aucubin) 2-3% = antibakteriell, entzündungshemmend
Schleimstoffe = reizmildernd, schleimhautschützend, entzündungshemmend und immunstimulierend
Saponine = in geringen Dosen entzündungshemmend
Flavonoide (hauptsächlich Apigenin und Luteolin) = antioxidativ, antimutagen, entzündungshemmend und antineoplastisch
Kieselsäure >1% = Stärkung des Lungengewebes
Mineralstoffe (Zink, Kalium)
Vitamine C = antioxidativ, begünstigt Kollagensynthese (Bindegewebsstärkend) und Cholesterinstoffwechsel
Vitamin B = vielfältig positiv u.a. auf Energiestoffwechsel, Leistungsfähigkeit

Samen

Proteine 15-20%
Fettgehalt 6-13%

VERBREITUNG

Der Spitzwegerich ist weltweit verbreitet, doch ursprünglich war er in Mitteleuropa heimisch. Die nordamerikanischen Einheimischen gaben ihm den Namen Fußstapfen des weißen Mannes. Sie beobachteten, dass er sich überall dort ansiedelte, wo die Einwanderer ihre Wege hinterließen. Die Samen der Pflanze sind klebrig und heften sich an Schuhsohlen, Räder und die Hufe der Tiere. So gelangten sie auch bis nach Nordamerika.

Du findest den Wegerich häufig an Wegrändern und Äckern, sowie auf Waldlichtungen, Fettwiesen, Brach- und Ödland. Er liebt Standorte mit nährstoffreichen Böden und Sonne bis Halbschatten. Auch feuchte Stellen besiedelt er. Dabei kann er bis in Höhen zwischen 1800 und 2000 Meter vordringen.

MERKMALE

Der Winterharte Spitzwegerich erreicht eine Wuchshöhe von 10 bis 30 Zentimeter. Sein Wurzelstock ragt bis zu 60 Zentimeter in den Boden. Er bildet eine bodenständige Grundrosette aus. Die lanzettlich bis lineal-lanzettlichen Blätter unterscheiden ihn deutlich vom Breitwegerich. Sie werden 10 bis 20 Zentimeter lang, 0,7 bis 20 Zentimeter breit und besitzen fünf bis sieben parallelverlaufende Blattrippen, die an der Blattspitze zusammenlaufen.

Markant sind die 5 bis 7 aufrechtstehenden Blütenstängel. Sie erreichen eine Höhe von 30 Zentimetern. An ihren Enden stehen 1 bis 4 Zentimeter lange eiförmige Ähren. Von Mai bis September bilden sie 2 bis 4 Millimeter lange weißgelbe Blüten aus. Nach der Blütezeit bildet der Spitzwegerich an den Ähren schleimig klebrige, braun bis rotbraune Samen.

VERWENDUNG

Survivalfood
Der Spitzwegerich bietet das gesamte Jahr über Nahrung. Außerdem ist er reich an Vitamin C. Neben den Blättern, die du zu Spinat, oder als Beigabe in Salate und Suppen geben kannst, sind vor allem die Samen und Wurzeln wichtige Energiespender. Die Samen enthalten ein nussig schmeckendes Öl, das dir wichtige Fettsäuren liefert. Außerdem sind sie reich an Proteinen. Du kannst sie, wie die Blätter deinen Salaten und Suppen beigeben, oder einfach roh verzehren. Im Winter, wenn die Nahrungsquellen knapp werden, kannst du die Wurzeln der Wegeriche ernten und in Wildgemüsesuppen verarbeiten. Wie viele Pflanzen speichern die Wegeriche dort während der dunklen Jahreszeit Kohlehydrate.

Naturheilkunde
Alle Wegericharten wirken antibakteriell und entzündungshemmend. Hauptsächlich machen Schleimstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe und das Glykosid Aucubin, die Heilwirkung des Spitzwegerichs aus.

Äußere Anwendung

Wundversorgung, Wundheilungsstörung, Insektenstiche, Schwellungen

Oberflächliche werden sie als grünes Pflaster verwendet. Dazu zerreibst du die Blätter zwischen den Fingern und bringst sie auf die Wunde auf. Kieselsäure sowie die adstringierenden, blutungsstillenden und antiseptischen Inhaltsstoffe der Wegeriche helfen, kleinere Schürfwunden zu versorgen. Damit beugst du bakteriellen Entzündungen vor und förderst die Wundheilung.

Innere Anwendung

Erkrankungen der Atemwege wie Husten, Bronchitis, Entzündungen im Mund-Rachen-Raum; Reizdarm, Durchfall, Verstopfung, Blähung und Magenschleimhautentzündung

Spitzwegerich findet vor allem bei Erkältungskrankheiten sowie Problemen rund um den Verdauungstrakt Anwendung. Seine entzündungshemmenden, reizlindernden, adstringierenden und antibakteriellen Inhaltstoffe wirken hustenstillend, krampflösend und teilweise antiviral. Zudem stärkt seine Kieselsäure auch das Lungengewebe.

REZEPTE

Spitzwegerichtee
Die Blätter des Spitzwegerichs kannst du von Mai bis August sammeln. Um sie zu trocknen solltest du sie auf einem mit Maschendraht bespannten Rahmen ausbreiten. Du kannst sie zum Trocknen aber auch auffädeln. Anschließend werden die Blätter kleingeschnitten.

Für 1 Tasse Tee

1 Teelöffel Spitzwegerich

Spitzwegerich in eine Tasse geben und mit kochendem Wasser übergießen
Ziehzeit 5 Minuten
Nach Bedarf mit Honig süßen

Spitzwegerichsirup
Der sogenannte Erdkammersirup wird aus frischen Blättern zubereitet. Dabei werden die Heilstoffe schonend herausgezogen. Die Blätter sollen trocken gesammelt werden, also nicht nach dem Regen oder mit Morgentau.

Für einen Liter

1 Liter Einmachglas,
3-4 Blatt Pergamentpapier,
dünner Draht,
1 Holzbrettchen,
Honig,
500g Spitzwegerichblätter

Spitzwegerichblätter im Glas auf 1 Zentimeter Höhe dicht schichten. Die Schicht mit dünnflüssigem Honig übergießen, so dass alles gut bedeckt ist. Erneut eine Schicht Blätter auflegen und mit Honig übergießen. Wiederhole dies, bis das Glas vollständig gefüllt ist.
Lasse die Mischung über Nacht stehen, bis sich alles gesetzt hat. Anschließend kannst du nochmals Honig nachgeben, damit alle Blätter vollständig bedeckt sind.
Decke nun das Glas mit mehreren Schichten dickem Pergamentpapier ab und befestige es mit einem Draht am Glasrand.
Vergrabe das Glas ca. 50 Zentimeter im Erdboden, lege ein Holzbrettchen auf die Öffnung und bedecke es mit Erde. Die nächsten drei Monate gärt der Sirup langsam bei gleichbleibender Erdtemperatur.
Anschließend kannst du ihn ausgraben, gut auspressen und in saubere Flaschen abfüllen.

Den Sirup bewahrst du am besten an einem kühlen Ort auf.

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Unser Quellen und weiterführende Literatur

Fischer-Rizzi, Susanne (1999): Medizin der Erde – Legenden Mythen, Heilanwendung und Betrachtung unserer Heilpflanzen, Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München

Kosch, Alois (Hsg) (2008): Was Blüht denn da?, Franckh-Kosmos Verlag-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Fleischhauer, Steffen Guido e.a. (2013): Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, AT Verlag, Arau/München

Purle, Thorsten: <https://www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Spitzwegerich.html> (Abgerufen: 2020-10-10)

Yoshino.digital GmbH: <https://www.bach-blueten-portal.de/spitzwegerich/> (Abgerufen: 2020-10-10)

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