Survivalpflanzen: Die Eiche, mehr als ein sanfter Riese

Stieleiche und Traubeneiche

Querkus robur & Quercus petraea

Die Eiche gilt als der Sanfte Riese unter unseren Bäumen. Vor allem ihr hohes Alter und ihr massiver Stamm sind Ausdruck von urwüchsiger Kraft und Stärke. Doch bei all ihrer Stärke zeigt sie auch Schwächen. Sie ist einer der letzten Bäume, die im Frühjahr zu Grünen beginnen. Damit entgehen sie Spätfrösten. Gegen harte Winterfröste ist sie empfindlich, weshalb sie sich auch nicht in den hohen Norden ausbreitet. Sie sind nur bis Südskandinavien anzutreffen.

In vielen europäischen Glaubenssystemen nahm die Eichen eine besondere Rolle ein. Vor allem verkörpert sie den Dualismus von Männlichkeit und Weiblichkeit. Sie war den Himmelsgöttern Zeus, Jupiter und Thor heilig, aber genauso ist sie mit der nährenden Muttergöttin verbunden. Väterlich und mütterlich sorgt sie in ihrem Umfeld für Schutz, Nahrung und Lebensraum. Über 500 Arten von Spinnen und Insekten leben von der Eiche. Hinzu kommen viele andere Vogel und Säugetierarten wie Eichelhäher und Eichhörnchen.

Der königliche Eichenbaum,
    der Altehrwürdige,
Nur langsam erhebt er sich und,
    breitet sich aus;
Drei Jahrhunderte wächst er,
    und drei Jahrhunderte bleibt er
Erhaben in Gestalt,
    und in drei weiteren verfällt er.

englisches Sprichwort
In Hagender, Der Geist der Bäume

Die Früchte der Eiche galten Früher als Notnahrung und für uns sind sie nahrhaftes Survivalfood. Die leicht bitterlichen Eicheln eignen sich zur Mehl- und Kaffeezubereitung und dienen uns als Kohlehydrat- und Fettquelle. Doch auch jungen Blätter lassen sich von März bis April zu Gewürz und Mehr verarbeiten.

Inhaltstoffe

Eichenrinde

20% Gerbstoffe = atringierend, antibakteriell, entzündungshemmend, schleimhautschützend
Flavonoide = antioxidativ, antimutagen, entzündungshemmend und antineoplastisch,
Triterpene = antimikrobiell, antioxidativ, antihypertensive

Eicheln

70% Stärke und Zucker
15% Öle
5% Eiweiß
Kalzium, Eisen, Magnesium, Kalium
Gerbstoffe = antioxidativ, antimutagen, entzündungshemmend und antineoplastisch
Flavonoide = antioxidativ, antimutagen, entzündungshemmend und antineoplastisch

VERBREITUNG

Stieleiche
Die Stieleiche ist die am weitesten verbreitete Eichen-Art Eurasiens. Sie fehlt nur im Süden der Iberischen Halbinsel, auf Sizilien, im Süden Griechenlands, im nördlichen Skandinavien und in Nordrussland. Da sie kontinentales Klima wesentlich besser verträgt als die Traubeneiche reicht ihr Verbreitungsgebiet weiter in den Osten. Sie dringt dabei in Höhen bis 1000 Meter vor.
Bevorzugt siedelt die Stieleiche auf nährstoffreichen, tiefgründigen Lehm- und Tonböden. Auf Grund ihrer Wurzelkraft kommt sie aber auch mit wechselfeuchte bis nasse Pseudogley- und Gleyböden zurecht. Auf normalen Standorten weicht sie der schattentoleranten, konkurrenzstarken Rotbuche. An Sonderstandorten kann sie jedoch bestandsbildend sein. Hierzu zählen Auwäldern die periodisch überflutet werden, strenge Tonböden (Eichen-Hainbuchenwälder), sowie nährstoffarme trockene Sandböden (Eichen-Birkenwälder und Eichen-Kiefernwälder). Die Eiche treibt im Frühjahr als letzter unserer Laubbäume aus und verschafft sich in den östlichen Verbreitungsgebieten einen Vorteil gegenüber der Rotbuche. Diese kommt dort aufgrund der Spätfrostgefahr nicht mehr vor, so dass die Stieleichen dort mit Hainbuche, Waldkiefer und Sandbirke die natürliche Waldgesellschaft bilden.

Traubeneiche
Die Traubeneiche ist in Mitteleuropa die zweithäufigste Eichenart. Ihr Verbreitungsgebiet ähnelt dem der Stieleiche, jedoch reicht es nicht so weit in den Osten; sie bevorzugt maritimes und submaritimes Klima. In den Südalpen dringt sie bis auf Höhen von 1100 Meter vor.

Die Traubeneiche besiedelt trockene bis frische, mittel- bis tiefgründige Stein- und Lehmböden. Sie toleriert auch nährstoffarme Standorte. Anders als die Stieleiche meidet sie staunasse und wechselfeuchte Böden. In Bezug auf die Konkurrenz zur schattentoleranten Rotbuche an normalen Standorten, besteht auch für die Traubeneiche ein Standortnachteil. Bestandsbildend ist die Traubeneiche daher nur auf strengen Tonböden (Eichen-Hainbuchenwälder) und auf nährstoffarmen, trockenen Sandböden (Eichen-Birkenwälder und Eichen-Kiefernwälder).

MERKMALE

Stieleiche
Die Stieleiche neigt zu einem offenen, unregelmäßigen Kronenaufbau. Oftmals weisen die knorrigen Hauptäste abrupte Richtungswechsel auf, was ihre mystische Erscheinung begründet. Sie hat mächtige Wurzeln und ihr Stamm erreicht Durchmesser bis zu drei Meter. Dank ihrer kräftig ausgebildeten Pfahlwurzel kann die Stieleiche stark verdichtete Böden erschließen, um tiefliegendes Grundwasser zu erreichen und ist sehr sturmfest.

Die wechselständigen, ledrigen, 7 bis 15 Zentimeter langen Blätter der Stieleiche sind nur maximal 7 Millimeter gestielt. Ihre Oberseite ist tiefgrün glänzend, die Unterseite hingegen heller. Charakteristisch sind die fünf bis sieben stumpfen tiefen Lappen der Blätter. Die Blattadern laufen zu den einzelnen Lappen jedoch nicht in die Buchten und der Blattgrund ist geöhrt. Die Blätter in ihrer Gesamterscheinung wirken rautenförmig.

Die Stieleiche ist einhäusig getrenntgeschlechtig. Keimbare Eicheln bildet sie erst ungefähr im Alter von 60 Jahren. Ihre Blüte beginnt mit dem Blattaustrieb und reicht von April bis Mai. Die Eicheln reifen von September bis Oktober. Im Gegensatz zur Traubeneiche sitzen die 3 bis 5 Eicheln an 1,5 bis 4 Zentimeter langen Stielen (daher ihr Name) und werden bis 3,5 Zentimeter lang. Die Früchte sitzen zu 1/3 im Fruchtbecher.

Traubeneiche
Die Traubeneiche unterscheidet sich in einigen Detaillies von der Stieleiche. Der Stamm der Traubeneiche ist bis in die Krone ziemliche gerade. Ihre 8 bis 16 Zentimeter langen Blätter sind beidseits 4 bis 6fach wenig gelappt und über 1 Zentimeter gestielt. In Ihrer Gesamterscheinung wirken sie eher parallel. Die Blattadern laufen in die einzelnen Lappen und Buchten. Die Eicheln sitzen nur zu 1/4 im Fruchtbecher und sind ansitzend.

VERWENDUNG

Survivalfood
Die Eicheln lassen sich von August bis Oktober sammeln. Alle mitteleuropäischen Eichen Arten können verwendet werden. Das Eicheln Blausäure enthalten ist ein Irrglaube. Dies trifft nur auf Bucheckern zu. Unbehandelt sind die Eicheln wegen ihres hohen Bitterstoffanteils nicht bekömmlich. Verarbeitet schmecken sie herb-nussig.

Um die Eicheln zu behandeln kannst du sie schälen, zerkleinern und über Nacht in Wasser einlegen. Für einige weitere Tage wechselst du das Wasser, bis der Sud klar bleibt. Ebenso kannst du die zerkleinerten Eicheln in ein Stofftuch gewickelt in einen Fluss hängen und dort für 2-3 Tage entbittern lassen. Du kannst den Entbitterungsvorgang beschleunigen indem du mit heißem Wasser arbeitest. Dafür kannst du die Eichelkerne über Nacht in warmen Wasser einweichen. Am nächsten Tag das Wasser abgießen und erneut mit reichlich Wasser übergießen; nach 2 Stunden Wasser wieder abgießen. Diese Prozedur solange wiederholen, bis das Wasser klar bleibt.

Naturheilkunde
Die Inhaltsstoffe von Eichenrinde, Blättern und Samen wirken adstringierend, entzündungshemmend und leicht antiseptisch. Die Gerbstoffe ziehen Häute und Schleimhäute zusammen. Sie verändern dabei die Struktur der Eiweiße in Haut und Schleimhaut. Die oberen Hautschichten werden dadurch fester und kleine Blutgefäße schließen sich. Bakterien können dann schlechter eindringen und Blutungen gestoppt werden. Die Haut reagiert weniger sensibel, was Juckreiz mindert. Die zusammenziehende Wirkung strafft das Zahnfleisch und beugt so Zahnfleischbluten und Zahnfleischentzündung vor.

Als heilkräftiger Pflanzenteil der Eiche wird vor allem die Rinde der dünnen Äste und Zweige verwendet. Vorzugsweise erntet man die Rinde im Frühjahr, da sie sich zu dieser Zeit besser abschälen lässt. Achte darauf von vielen Bäumen jeweils nur wenig zu sammeln, sodass nur kleine Wunden zurückbleiben.

Ekzeme, Dermatose, schlecht heilende Wunden, Entzündungen im Mund- und Rachenraum, Fußpilz, Hämorriden, Schuppen und fettiges Haar, Schweißmindernd

Am häufigsten wird das aus Eichenrinde hergestellte Eichenrindenextrakt verwendet. Hierzu wird Eichenrinde in Wasser angesetzt. Daraus werden Fuß- oder Sitzbäder, Kompressen oder Umschläge zubereitet. Ein Sitzbad in Rindenextrakt ist ein altes Hausmittel bei Afterjucken und Hämorrhoiden.

Durchfall und
Darmentzündungen

Ein Tee aus Eichenrinde hilft gegen akuten Durchfall, den Viren oder Bakterien verursachen und gegen Entzündungen im Darmbereich.

REZEPTE

Eichelmehl
Für 1kg Eichelmehl werden etwa 4 Kg frische Eicheln benötigt. Dazu werden die entbitterten Eicheln luftgetrocknet oder geröstet und anschließend gemahlen. Das Eichelmehl kann sofort als Grundlage für Bratlinge oder Gebäck verwendet werden. Zum Anlegen eines Vorrates legst du das Mehl auf einer flächigen Unterlage an einem sonnigen, belüfteten Ort aus und lässt es trocknen.

Eichelkaffee
Eicheln in einer Schale mit heißem Wasser übergießen und ziehen lassen wodurch sich die Haut löst. Die noch weichen, geschälten Eicheln kleinschneiden und bei schwacher Hitze rösten. Sie sollten dabei nicht schwarz werden.
Nach dem Rösten werden die harten Eichelstücken gemahlen. Das entstandene Mehl kann nochmals geröstet werden. Dabei solltest du besonders schonend vorgehen, da die Mehlpartikel schnell schwarz werden.
Das fertige Kaffeepulver im Verhältnis 1TL auf eine Tasse Wasser aufkochen und danach das Pulver setzen lassen oder durch ein Teesieb filtern. Der Kaffee lässt sich mit gerösteten Zichorien – oder Löwenzahnwurzel und Zimt verfeinern

Eichenrindenextrakt
Bei Entzündungen im Mund- Rachenraum (Halsschmerzen Zahnfleisch, Aphten, Mundsoor) 2-4 Mal täglich mit Eichenrindenextrakt spülen. Nach 24h sollte sich Linderung einstellen. Bei Durchfall und Darmentzündungen 3 kleine Tassen täglich nicht länger als drei Tage.
Kontraindikation: Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Erkrankungen mit hohem Fieber, großflächige Hautwunden.
Nebenwirkung: Unwohlsein und Magenbeschwerden, schädigt bei längerer Einnahme die Leber

Teeauszug

2 Teelöffel Eichenrinde in 250ml Wasser zum Kochen bringen. Danach 10 bis 15
Minuten kochen lassen.

Kaltauszug

2 TL Eichenrinde über Nacht in 250ml kaltem Wasser anziehen lassen.

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Quellen und weiterführende Literatur

Hagender, Fred (2014): Der Geist der Bäume – Eine ganzheitliche Sicht ihres unbekannten Wesens, Neue Erde Verlag GmbH, Saarbrücken

Kosch, Alois (Hsg) (2008): Was Blüht denn da?, Franckh-Kosmos Verlag-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Fleischhauer, Steffen Guido e.a. (2013): Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, AT Verlag, Arau/München

Heilpraxisnet.de GbR: < https://www.heilpraxisnet.de/heilpflanzen/eiche-als-heilpflanze-wirkung-und-anwendung/> (Abgerufen: 2020-11-04)

Hospitalstiftung Hof: <http://www.hospitalstiftung-hof.de/deu/die-stieleiche.html> (Abgerufen:2020-12-04)

Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.: < https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-222006/pharmakologie-ausgewaehlter-terpene/> (Abgerufen: 2020-11-04)

Rossmann, Reini: < http://www.heilkraut-ratgeber.de/eichenrinde/> (Abgerufen: 2020-11-04)

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