Wo sind denn alle?

Hast du dich manchmal gefragt, wie es sein kann, dass so viele Tiere im Wald leben, du einige davon aber nie zu Gesicht bekommst? Marder, Iltis, Hirsche, Schwarzspecht, Hermelin und Habicht sind kein alltäglicher Anblick, doch sind sie immer da.

Wahrscheinlich bist du von jemandem verraten worden. Ja verraten worden. In der Natur bleibt nichts ungewöhnliches unbemerkt und wir Menschen sind etwas Ungewöhnliches. Sagen wir, mindestens so ungewöhnlich wie Touristen. Die Einheimischen registrieren uns, ziehen es jedoch häufig vor einen großen Bogen um uns herum zu machen.
Wer dich da verrät und wie du etwas „einheimischer“ rüberkommst, das wollen wir dir in diesem Artikel erklären. Denn als Einheimischer, kannst du auf jeden Fall mehr von deinen Nachbarn erfahren.

Die Augen und Ohren des Waldes

Wenn du einmal eine spannende Habichtsjagd erlebt hast, wirst du vielleicht bemerkt haben, dass jeder Vogel in einem gewissen Umkreis Alarm schlägt. Die Anwesenheit des Habichts ist kaum überhörbar. Falls du so etwas bisher nicht erlebt hast, dann schenke den Geräuschen der gefiederten Kundschafter auf deinen Waldspaziergängen ab heute etwas mehr Aufmerksamkeit. 

Sie haben ihre Augen und Ohren überall und pfeifen es sofort von den Dächern – pardon Bäumen – wenn sich etwas Verdächtiges durch den Wald bewegt. Diese Botschaft breitet sich von Baum zu Baum, von Vogel zu Vogel aus, ähnlich den konzentrischen Ringen, die entstehen, wenn ein Stein ins Wasser fällt. Darauf reagieren auch andere Tiere, wenn sie dich nicht schon von selbst wahrgenommen haben. Denn auch ihre Aufmerksamkeit ist um einiges höher als die unsere.

Die kritische Grenze

Jedes Lebewesen hat eine Vielzahl von Wahrnehmungsfeldern, die es ringförmig umgeben – von nah bis fern. Es sind Felder, die wir mit unseren Sinnen auslegen. Manche von ihnen können sogar mehrere 100 Meter entfernt verlaufen. Doch wozu das Ganze?

Das hat etwas mit Vertrauen und Sicherheit zu tun. Je mehr wir einem Menschen vertrauen, desto dichter darf er an uns heran. Wir fühlen uns in Sicherheit und haben wir wenig Angst verletzt zu werden. Freunde dürfen uns recht nahekommen, aber oft nicht ganz so dicht, wie unsere Partnerinnen. Fremden gegenüber halten wir einen noch größeren Abstand, da wir sie nicht einschätzen können. Einem knurrenden Raubtier gegenüber halten wir einen möglichst großen Sicherheitsabstand. So haben wir für verschiedenste Situationen und Lebewesen, verschiedene Grenzen. Wenn eine kritische Grenze erreicht ist, fühlen wir uns unsicher und werden reagieren.

Das gilt auch für Tiere, nur sind ihre Lebensbedingungen etwas elementarer. Anders als wir müssen sie jeden Tag auf der Hut sein, um ihr Leben und das Leben ihrer Jungen zu schützen. Das allein macht sie Aufmerksamer für alles Ungewöhnliche.

So bekommst du Einlass in den inneren Grenzbereich.

Das Motto lautet: Sei einfach gewöhnlich. Für die meisten Wildtiere sind wir ein ebenso seltener Anblick, wie Wildtiere für uns. Obendrein gibt es Einiges, was uns Menschen ungewöhnlich, bisweilen sogar verdächtig erscheinen lässt. Besonders seltsam erscheinen den Tieren die Geräusche, die wir von uns geben. Kein Tier hier draußen gibt so viel und so komplex Laut, es sei denn es schlägt Alarm. Zusätzlich fallen wir durch einen seltsam wippenden Gang sowie am Oberkörper pendelnde Anhängsel auf. Das alles sind  Bewegungen, die uns unter den Waldbewohnern als „Touristen“ outen.

Wenn du mehr Wildtiere sehen willst, dann folge der Waldetikette, so dass sie dich als einheimisch betrachten. Dazu gehört die Waldgarderobe aus natürlichen Farben ebenso, wie die passende Fortbewegung und Sprache. Tiere sprechen Körpersprache und deine Körpersprache spricht Bände. Tiere, die entspannt sind, also nicht jagen oder flüchten, bewegen sich langsam, leise und gleichmäßig. Lege auch du eine entspannte geistige Haltung an den Tag und bewege dich so langsam und leise wie nur irgend möglich. 

Zu guter Letzt, schenke deiner Umwelt mit all deinen Sinnen die größtmögliche Aufmerksamkeit, damit du die gefiederten Kundschafter entdeckst, bevor sie dich entdecken.

 

Wie du es am besten anstellen kannst, deine Sinne zu schärfen und draußen einheimisch zu werden, zeigen wir dir auf unseren Seminaren, „Die geheime Sprache der Singvögel“, „The Art Of Tracking“ und dem „Holistic Survival Basiskurs“.

Stay Wild

Dein Kevin von Terea

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